Trauma und Schule
16. Zürcher Traumatage

Daten

Datum: 19. – 21. Juni 2026
Uhrzeit: 10:00–17:30 Uhr
Leitung: Alé Duarte (BRA)
Maggie Kline (USA)
Dr. Peter A. Levine (USA)
Marianne Buser Steiger (CH)
Nuria Honauer (CH)
Tom Tafel (CH)
Sprache: Englisch mit Übersetzung ins Deutsche
bzw. Deutsch mit Übersetzung ins Englische 
Kosten: CHF 890.00

Tagespässe à 320 CHF sind in begrenzter Anzahl erhältlich

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Überforderte Nervensysteme prägen unsere Gesellschaft immer stärker - der grosse Stress durch pausenlose Leistungsanfordrungen hat auch unser Bildungswesen erreicht. Burn-Out in der Schule ist nicht nur bei Lehrkräften zum Thema geworden, auch Schülerinnen und Schüler sind davon betroffen. Seit Corona sind auch die Depressionszahlen bei jungen Menschen explodiert. Grenzverletzungen durch körperliche oder emotional-verbale Übergriffe, digitales Suchtverhalten, Mobbing und Blaming auf Social Media, Pornos oder Kriegsbilder auf dem Schulhof usw. sind zu Dauerthemen im schulischen Umfeld geworden. Persönliche Not ist so immer intensiver zu einem breitflächigen Bestandteil des Schulbetriebs geworden. Traumatisierte Kinder prägen das moderne Schulwesen und überfordern dort viele Schulleitungen und Lehrkräfte. Die 16. Zürcher Traumatage vom 19. - 21. Juni stellen deshalb das brisante zeitgenössische Thema "TRAUMA UND SCHULE" in den Mittelpunkt. 

Drei international bekannte Trauma-Fachleute geben einen Einblick ins Innenleben und die dort existierende grosse Not von Kindern und auch von Lehrkräften. Maggie Kline und Peter A. Levine sind die Autoren des kürzlich erschienen Buches "Brain Changing Strategies to Trauma Proof Schools" und werden die dort beschriebenen, das Gehirn verändernden Strategien für trauma-sensitive Schulen einbringen - und dabei neben theoretischen Ausführungen auch viele pragmatischen Hinweise und gestaltende Übungen einbringen. Frühere Bücher der beiden Koryphäen aus Kalifornien sind im Gegensatz zum erwähnten neusten Titel auch auf Deutsch erhältlich ("Verwundete Kinderseelen heilen" und "Kinder vor seelischen Verletzungen schützen"). 

Ale Duarte hat sich seit 25 Jahren weltweit für seine Spezialtrainings und Notfalleinsätze zum Thema "Kinder und Trauma" einen Namen gemacht. Viele seiner Erkenntnisse und Hinweise können direkt in den Bereich Schule transferiert werden. Der in Wien lebende brasilianische Dozent hat viele kreative Spielformen entwickelt, die bewusste Veränderungen im überforderten Nervensystem von Schülerinnen und Schülern ermöglichen. Wie Maggie Kline bietet er auch spezifische "PlayShops" an. Beide werden aus ihrem dortigen Fundus viele Spiel- und Gestaltungsformen für Kids in verschiedenen Altersgruppen einbringen. Ein Einblick in sein Wirken ist über diesen Link möglich und zeigt seine Intervention nach dem starken Erdbeben in Japan 2011 und dem nachfolgenden zerstörerischen Tsunami. 

An jedem der drei Tage wird zudem eine hiesige pädagogische Fachkraft die Herausforderungen zum Titelthema und bereits bestehende Lösungsansätze vorstellen. Am Schluss der Veranstaltung wird dann evaluiert, was von den thematisierten Ideen, Übungen und Spielformen gezielt in die hiesige Pädagogik einfliessen kann.



Freitag, 19. Juni 2026

10.00 Uhr
Eröffnung
 mit Dr. Urs Honauer (CH)

10.15 - 11.15 Uhr
Von Entwicklungsräumen und Potenzialentfaltung: 
10 Thesen für eine gesunde Schule!

Marianne Buser Steiger, CH

Marianne Buser Steiger stösst Denkimpulse von möglichen Ursachen und Zusammenhängen von Trauma in der Schule an und berichtet von ihrer Perlensuche nach Game Changern und zentralen Wirkfaktoren für traumasensible Herangehensweisen, um den Mut zu entwickeln, das System Schule im Kleinen oder Grossen nachhaltig neu zu denken. In ihrem Eingangsbeitrag geht Marianne Buser Steiger relevanten Faktoren von Misfit und Nicht-Passung auf den Grund und stellt 10 Thesen für Gelingensbedingungen auf, wie Schule durch kreative Gestaltung von differenzierenden Lernarchitekturen zu einem Lern- und Ent-WICKLUNGS-Raum für ganzheitliche und persönlichkeitsorientierte PotenzialENTFALTUNG werden kann. Gesehen, gehört, gewürdigt und verstanden werden sind zentrale Grundbedürfnisse, die bei stark traumatisierten Kindern fehlen. Durch die «Presencing-Brille» können Lehrpersonen nicht nur ihre eigenen Bedürfnisse mehr wahrnehmen, sondern auch Schüler*innen besser «lesen» und gleichzeitig Sicherheit und Orientierung offerieren.

11.30 - 13.00 Uhr und 14.30 - 17.30 Uhr
Emotionale Intelligenz im Schulzimmer erhöhen
Maggie Kline, USA

Die erfahrene Traumatherapeutin und Buchautorin aus Long Beach zielt nach einer theoretischen Fundierung ihres Ansatzes darauf ab, konkrete Anwendungen ihrer Ideen aus den sogenannten "Play Shops" fürs Klassenzimmer zu präsentieren. Es handelt sich um Aktivitäten, die dazu beitragen sollen, neben der emotionalen auch die interozeptive Intelligenz als wesentlichen Teil von Schule zu stärken. Voraussetzung dafür sind Gefühle von Sicherheit und der erlebbaren Dazugehörigkeit zur Gruppe. Die Sicherheit in der Lehrperson selber ist dabei ebenfalls essenziell. Wenn sich die Lehrkraft in sich selber und in ihrem Arbeitsfeld sicher fühlt, kann sie diesen Gefühlszustand ko-regulativ den Schüler*innen offerieren und so zu einer neuen Begegnungskultur einladen. Körperempfindungen und Emotionen müssen dann nicht länger gepanzert und im inneren Notzustand gehalten werden, sondern sind wandelbare Teile im schulischen Lernfeld. Zusätzlich zu mehr Präsenz und Aufmerksamkeit fürs kognitive Lernen bauen die jungen Menschen so auch an ihrer Selbstkompetenz. 



Samstag, 20. Juni 2026

10.00 - 11.00 Uhr
Pilotprojekt BBF für ein auf Stärken ausgerichtetes Lernen 
Nuria Honauer, CH

Die Bildung im Freien und mit Tieren ist für Kinder mit Traumafolgestörungen ganz besonders relevant. Es holt sie immer wieder in den gegenwärtigen Moment zurück, der ganz anders ist als die früher erlebten Degradierungen, Beschämungen, Gewalterfahrungen usw. Über das im spielerisch-forschenden Lernsetting in einer beständigen Kleingruppe erlebte Social Engagement mit Kindern oder Tieren findet Co-Regulation ohne Anstrengung statt. Die Pflege- und Betreuungsmomente sind zudem auch Bausteine für die Übernahme von Verantwortung für andere Lebewesen – und sie ermöglichen auch wichtige neue Lebenserfahrungen bezüglich Nähe und Distanz. Das Setzen von gesunden Grenzen wird so zum bedeutsamen Lebensinhalt. Nuria Honauer stellt das zürcherische Konzept der Begabungs- und Begabtenförderung (BBF) und damit verbundene Spezialprojekte vor – und gleichzeitig den dahinter sich verbergenden pädagogischen Ansatz des von Neugier geprägten Lernens und des Entdeckens und Vertiefens von eigenen Stärken als Alternative zu der häufig erlebten Defizitorientierung und den vornehmlich Schwächen potenzierenden Lernerfahrungen im sonstigen schulischen Alltag von Kindern, die oft eine generell wenig beachtete traumatische Geschichte in sich tragen. Beispiele für solche BBF-Projekte sind Gartenprojekte, Kunstateliers, Stalldienste mit Tierpflege oder eine Schüler*innen-Zeitung mit eigener Redaktion.


11.30 - 13.00 Uhr und 14.30 - 17.30 Uhr
Mobilisierung und Selbstregulation
Alé Duarte, BRA

"Regulation zuerst" heisst das Programm, das Alé Duarte für Lehrkräfte in den Schulen und für Therapeut*innen, die Kinder und Jugendliche unterstützen wollen, zusammengestellt hat und wofür er international positive Rückmeldungen und wachsendes Interesse bekommt. Sein Modell fokussiert auf drei wesentlichen Säulen: 

  1. Wie mobilisieren Kinder ihre Energie? 
  2. Klassenstruktur und Begegnungsraum
  3. Begleitungskompetenz

Die Erkenntnis, dass es bei Lehrkräften um ein Wissen, wie Kinder bei der Selbstregulation unterstützt werden können, oft schlecht bestellt ist, hat ihn vor allem bei Punkt 2 Schwerpunkte setzen lassen. Viele Lehrkräfte oder andere Betreuungspersonen verbringen bis zu 50% ihrer Zeit damit, emotionale Zustände zu managen - und sind höchst unzufrieden, dass sie das leisten müssen. Alé Duarte zeigt an diesem Samstag auf, wie eine regulations-freundliche Klassen- und Begegnungsstruktur geschaffen werden kann. Kenntnisse über die elementaren Dynamiken im Nervensystem von auffälligen Kindern sind für ihn zentral, um herausforderndes, meist traumabedingtes Geschehen aufzufangen. Lernen fürs Leben (und den Umgang mit Trauma) geschieht dabei auf beiden Seiten der Begegnung, für Lehrkräfte ebenso wie für die Schüler*innen - was einen immensen gesellschaftlichen Wert hat.



Sonntag, 21. Juni 2026

10.00 - 11.00 Uhr
Begegnung auf Augenhöhe suchen
Tom Tafel, CH

Die Palette der Symptome und Syndrome bei Schüler*innen wie Lehrpersonen ist auch in der Atelierschule in Zürich gross. Weil die Waldorfpädagogik darauf hinzielt, das im Menschen Verborgene aufzuwecken, ist für die Leitung der Institution klar, dass es dabei auch um Trauma geht. Ein traumasensibler Raum steht deshalb als Safe Place innerhalb der Schulräume während der Klassenzeit zur Verfügung. Tom Tafel skizziert als auch in SOMATIC EXPERIENCING (SE) ausgebildete Lehrperson und als spezifisch Zuständiger in der Schüler*innen Begleitung die grossen Herausforderungen und auch traumaspezifischen Herangehensweisen im pädagogischen Alltag.


11.00 - 13.00 Uhr und 14.30 - 15.40 Uhr
Traumatisierte Kinder bewusst unterstützen
Dr. Peter A. Levine, USA

Der Begründer von SOMATIC EXPERIENCING (SE) zeigt in seinem Beitrag auf, wie Kinder in verschiedenen Altersgruppen nach erlebten Traumata unterstützt werden können, damit sie in Kitas, Kindergärten, Primar- oder Sekundarstufen bis in die Adoleszenz nicht in Erstarrung, Dissoziation oder ständigem (Überlebens-)Kämpfen den Lernfluss stören - sondern zu ihrer eigenen Verarbeitung von erlebten überwältigenden Ereignissen finden. Praxisnahe Beispiele sollen Betreuungs- und Lehrpersonen einfach einsetzbare Interventionen aufzeigen. Eine von Trauma befreite Schule ist für den SE-Pionier ein eminent wichtiges Friedensprojekt.

16.00 - 17.30 Uhr
Zukunftswerkstatt aus gesammelten Informationen heraus - sowie Fazit der drei Tage 
Dr. Urs Honauer, CH

Alé Duarte

Alé Duarte ist ein somatisch ausgerichteter Seminarleiter aus Brasilien, der weltweit unterwegs ist, um trauma-spezifische Weiterbildungen in Bezug zu Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen anzubieten. Seine Trainings richten sich an Fachkräfte aus den Bereichen Trauma-, Psycho- und Körpertherapie, der Medizin,  Psychologie, Pädagogik und Sozialarbeit.Die mitgebrachte Fähigkeit des …

Maggie Kline

Maggie Kline arbeitet seit über 40 Jahren als Paar-, Familien- und Kindertherapeutin. Zuvor war sie viele Jahre als Schulpsychologin tätig. Sie gehört der SE-Fakultät an und unterrichtet Basiswissen in SOMATIC EXPERIENCING in vielen Ländern. In ihrer praktischen Arbeit integriert sie die SE-Prinzipien mit Traumarbeit, Imagination, Kreativität, Kunst und Spiel. Sie ist zusammen mit Peter A. …

Dr. Peter A. Levine

Peter A. Levine, Ph.D., ist der Entwickler von Somatic Experiencing® (SE™), einem naturalistischen und neurobiologischen Ansatz zur Traumaheilung, den er in den letzten 50 Jahren entwickelt hat. Er hat einen Doktortitel in Biophysik von der UC Berkeley und einen Doktortitel in Psychologie von der International University. Er ist Gründer und Präsident des Ergos Institute of Somatic Education …

Marianne Buser Steiger

Schon als junge Lehrerin war es ihr Herzensanliegen, die Freude am Lernen zu befeuern und neu zu entfachen. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen Fragen wie: Wie kann Schule zu einem Nährboden für ganzheitliches Lernen und persönliche Entfaltung werden? Wie kann intrinsische Motivation befeuert werden und Lebensfreude sich entfalten? Wie gelingt es, Persönlichkeitsentwicklung durch …

Nuria Honauer

Mit Freude und Neugier lernen und sich motiviert in etwas vertiefen zu können, ist ein Bereich mit dem sich Nuria Honauer viel beschäftigt. Nach ihrem Bachelor of Arts und dem Lehrdiplom am Institut Unterstrass in Zürich, hat sie sich an den Universitäten in Basel und Fribourg im Master in Genderstudies und Erziehungswissenschaften weitergebildet und dabei unter anderem den Zusammenhang von …

Tom Tafel

Tom Tafel übte Lehrtätigkeiten an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), der Universität Zürich, der Pädagogischen Hochschule und weiteren systemrelevanten Institutionen aus. Seit 20 Jahren arbeitet er als Lehrperson für Musik und Theater, als Klassenbetreuer, Kollegiumsvertretung sowie in der Schüler*innen-Begleitung an der Atelierschule Zürich. Nach seiner Coaching-Ausbildung 2021 …

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